Wiegt Bestseller-Autorin Susanne Fröhlich, die mit ihrem Diätbuch “Moppel-Ich” nahezu Susan-Stahnke-Ruhm erreichte, wirklich 108 Kilo? Das ist die Frage, die nicht nur die Bild-Zeitung, sondern quasi auch ganz Deutschland brennend interessiert.
Was war passiert? Samstagabend, “Wetten, dass..?” aus Dortmund flimmerte gegen 22 Uhr über die Mattscheiben der Armen in Deutschland und Österreich und der Reichen in der Schweiz. Thomas Gottschalk moderierte eine sehr flache Sendung, in der jeder Wettkandidat nicht auch nur annähernd in der Lage war, seine Wette zu gewinnen, und die auch ein mit Helium vollgepumpter Lionel Richie nicht mehr retten konnte, als mittendrin auf einmal Frau Fröhlich ihren Auftritt hatte. Plötzlich war “flach” kein Thema mehr!
“Fröhlich” – der Name ist Programm! Dem Regisseur sind allein beim “Guten Abend” der Autorin die Trommelfelle geplatzt, weil sie dermaßen ins Mikro schrie, wie kleine Mädchen bei einem Tokio-Hotel-Auftritt. Hektische Wink-Zeichen des Aufnahmeleiters in der Westfalenhalle, sie möge doch bitte leiser sprechen, interpretierte Susanne Fröhlich als Zeichen der großen Begeisterung und setzte gleich noch ihr extrabreites Lächeln auf.
Der Besuch von Frau Fröhlich hatte natürlich einen Grund: Ihr Buch ist verfilmt worden. Die Hauptdarstellerin Christine Neubauer, die in dem Film für Frau Fröhlich abnimmt, versuchte noch auf der “Wetten, dass..?”-Couch vergebens klarzustellen, dass die Speckrollen an ihr im Film nicht echt waren. Glauben wollte das so recht niemand. Na ja, jedenfalls saß Blondchen Fröhlich neben Thomas Gottschalk auf dem Sofa, als es zur Wette kam. Eine Auto-Wette. Wie bitte? Eine Auto-Wette?
Man kann doch Frau Fröhlich nicht mit einer Auto-Wette konfrontieren! Das ist ungefähr so, als wenn man ihr aus ihrem eigenen Buch vorgelesen hätte. Gott sei Dank sollte diese Schrecksekunde durch eine noch viel größere Blamage überdeckt werden. Der Mann, der am Klopfgeräusch auf der Motorhaube erkennen wollte, um welches Auto es sich handelt, wagte es, auch seine Wette zu verlieren. Susanne Fröhlich hatte so an ihn geglaubt und ihre Wette trotzdem verloren.
Und jetzt kommt es zu einem historischen Ereignis: Frau Fröhlich, die in ihrer Diät-Freudigkeit, so soll es den Anschein haben, nur von Gandhi übertroffen werden könnte, muss wegen der verlorenen Wette mit Thomas Gottschalk und Christine Neubauer auf eine große Waage. Eine Waage, die normalerweise zum Wiegen von Elefanten gebraucht wird…
Während der Regisseur von “Wetten, dass..?” abermals vor einem Hörsturz stand, weil Frau Fröhlich lautstark protestierte (”Das war so nicht abgesprochen, ich gehe auf keine Waage!”), zerrte Thomas Gottschalk sie mit drauf. Respekt vor Thommy in zweierlei Hinsicht: Erstens muss man so viel Kraft erstmal haben, um Susanne Fröhlich irgendwo hoch zu ziehen, und zweitens war es die erste gewonnene Wette der Sendung (”Wetten, dass ich es schaffe, eine übergewichtige Diät-Buch-Bestseller-Autorin auf eine Waage zu heben”).
Frau Fröhlich machte also böse Miene zum guten Spiel. Dann plötzlich der Schock, den man aber erst am Montagmorgen realisierte, als man die Bild-Zeitung aufschlug: “Moppel-Ich Autorin wiegt 108 Kilo”. Wow. Das ist ein Statement. Und was in “Bild” steht, stimmt. “Wieg Dir Deine Meinung!”
So, und jetzt die Preisfrage: Wenn ein Radsport-Profi nicht gedopt ist und trotzdem gesperrt wird, er sein Blut aber nicht zu einer Untersuchung freigeben will und man ihm sowieso kein Wort mehr glaubt, er aber trotzdem zurücktritt, muss dann Susanne Fröhlich – der HR hab sie selig – nicht in guter Joseph-Ackermann-Manier ein Zehntel der Einnahmen ihres Buches an eine Klinik für Magersüchtige spenden? Ich sage: Nein!
Denn ich finde, es ist durchaus eine Form der Qualitätskontrolle, wenn eine Fett-Weg-Service-Kraft wie Frau Fröhlich ihre eigenen Thesen am eigenen Körper zwischendurch mal selbst überprüft! So eine Form des Hausfrauen-Tests wäre bei deutschen Politikern undenkbar! Nur dazu stehen sollte man auch. Aber ein Gschmäckle bleibt: Seit wann bitte wird in großen deutschen Live-Sendungen am Samstagabend vorher alles abgesprochen?
Insofern hatte “Wetten, dass..?” doch noch etwas Versöhnliches: Auch Besteller-Autorinnen sind normale Menschen, wir warten alle ganz gespannt auf die Verfilmung des Stahnke-Buchs, und Herbert Grönemeyer singt: “Die Welt ist freundlich. Warum wir eigentlich nicht?”
Alles wird gut!